Schäffers Mühlen mahlen langsam. So langsam, daß darüber ein Industriezweig, die Tabakbranche, die jährlich 2,2 Mrd. DM an Steuern erbringt, langsam aber sicher ihr Kapital aufzehrt. Denn der Endpreis ihrer Produkte (bei der Zigarette praktisch 10 Pfennig) steht fest; ebenso die Steuerbelastung. Beweglich aber sind die Erzeugungskosten: Der Rohtabak ist um 80 v. H. gestiegen, Kartonagen um 200 bis 400 v. H. Der Verteilerapparat kostet mit steigenden Preisen zwangsläufig mehr. Soll man sich bei dieser Kosten-Erlös-Schere noch wundern, wenn eine dreimal vergeblich den Finanzminister ersucht hat. Entscheidendes zu unternehmen?

Zugegeben, Minister Schäffer ist in arger Bedrängnis. Sollte ihn das aber hindern, Versprechungen, die zwei Jahre alt sind und immer wiederholt wurden, einzuhalten? Es geht ja nicht nur um die Zigarettenindustrie oder um 2,2 Mrd. D-Mark Steuern. Es geht auch um die billigere Zigarette, damit in unserer nervösen Zeit die Bevölkerung bei ihrer beschränkten Kaufkraft einen kleinen „optischen“ Ausgleich für sonst erhöhte Steuerlasten erhält – wenn auch das Steueraufkommen aus Tabak infolge Mehrkonsums nicht nachlassen wird. Und wie ist der Konsument vertröstet worden! Zuerst 6 2/3 Pf, dann 7 1/7 Pf (die berühmten oder berüchtigten „sieben zu fuffzig“), nun 8 1/3 Pf. Selbst diese Preislage ist unsicher geworden. Einschließlich der bisher gültigen Umsatzsteuer sollte sie mit 4,627 Pf belastet sein. Und nun? Wie hoch wird die Umsatzsteuer? Stimmt dann die Kalkulation auf 1/1000 Pfennig noch?

Im übrigen verschieben Urlaub leitender Beamte, „Querschläger“ – wie es so schön heißt – bei der Kalkulationsprüfung, Fraktionsdebatten, Mißverständnisse und auch verschiedene Auffassungen von Kanzler und Minister die Entscheidung immer weiter. Inzwischen „sterben“ die kleinen Fabrikanten. W–n