In der großen Untersuchung, die der USA-Senat seit Wochen über die Abberufung des Generals MacArthur und über die amerikanische Fernost-Politik führt, trat vor einigen Tagen eine kritische Situation ein. General Bradley, Stabschef der Wehrmacht, wurde von Senator Wiley, einem führenden regierungsfeindlichen Republikaner, verhört. Wiley befragte Bradley über eine Konferenz im Weißen Haus, die der Entlassung MacArthurs vorangegangen war und an der Präsident Truman, sein Berater Harriman, Außenminister Acheson, Verteidigungsminister Marshall Und Bradley selbst teilgenommen hatten. Nachdem Wiley diese Personenliste aus ihm herausgeholt hatte, entwickelte sich folgender Dialog:

Wiley: Schön. Und jetzt sagen Sie uns, was dort geredet wurde.

Bradley: Ich war damals in der Position eines vertraulichen Beraters des Präsidenten, Senator. Ich halte mich nicht für berechtigt, zu veröffentlichen, was einer von uns dort gesagt hat.

Wiley Gut, hier erhebt sich-eine grundsätzliche Frage... darüber wird der Vorsitzende zu entscheiden haben.

Bradley: Senator, ich habe den Eindruck, daß, wenn ich genötigt werde, meine Vorschläge und Diskussionen öffentlich darzulegen, mein Wert als Ratgeber ruiniert sein wird...

Der Vorsitzende entschied schließlich, daß Bradley nicht zu antworten brauchte.

Der Vorgang hat deshalb eine Bedeutung, die über den Gegenstand der augenblicklichen Senats-– Untersuchung weit hinausgeht, weil hier eine Grundfrage des demokratischen Regierungssystems überhaupt betroffen ist. Es ist leicht einzusehen, daß der Präsident seine Funktion nicht mehr ausüben kann, wenn das Parlament das Recht erhält, die Ratgeber und hohen Beamten des Präsidenten unter Zeugenpflicht darüber zu vernehmen, wie seine Entschlüsse, die er in seiner verfassungsrechtlichen Stellung zu treffen hat, in vertraulichen Beratungen zustande gekommen sind. Weil auf diese Weise die Trennung von Legislative und Exekutive verwischt wird und damit die Gewaltentrennung zusammenbrechen würde, die die gegenseitige Unabhängigkeit der Gesetzgebung, Verwaltung und Gerichtsbarkeit festsetzt. Es würde nämlich eine unmittelbare Abhängigkeit der Verwaltung vom Parlament in Angelegenheiten eintreten, die verfassungsmäßig gerade der Verwaltung, nicht aber dem Parlament zustehen.