Eine Resolution des Sicherheitsrates der UNO, die mit zehn Stimmen, bei Stimmenthaltung der Sowjetunion, am 18. Mai angenommen wurde und die den Streitfall zwischen Israel und Syrien beseitigen sollte, hat in beiden Ländern bestenfalls die Ruhe vor dem Sturm hergestellt.

Die Grenze zwischen Palästina und Syrien war in der Zeit des englischen Mandats reichlich willkürlich gezogen. Diese unnatürliche Grenze ist im arabisch-israelitischen Krieg durch Syrien beseitigt worden. Im Waffenstillstandsabkommen von Rhodos kam es dann schließlich zu einem Kompromiß, wonach die ostwärts des Jordan gelegenen Gebiete entmilitarisiert und die endgültige Entscheidung über ihre Staatszugehörigkeit einem kommenden Friedensvertrag überlassen werden sollte. Über die Auslegung dieser Bestimmungen aber herrschten bei beiden Ländern grundsätzlich verschiedene Auffassungen, und daraus entsprang Ende März ein neuer Konflikt zwischen Israel und Syrien.

Die jüdische Palestine Land Development Company‚ die im Jahr 1934 libanesischen Kaufleuten eine alte türkische Konzession zur Regulierung des sumpfigen Quellgebietes und des Oberlaufes des Jordan abgekauft hatte, begann 1951 mit der Auf Schließung des Gebietes. Solange diese Arbeiten auf unbestritten israelitischem Boden vorgenommen wurden, erhoben die Araber keine Einwendungen. Als aber die Gesellschaft unter dem Schutz von israelitischen Polizeistreitkräften auch in den entmilitarisierten Gebieten Kanäle und Deiche zu bauen begann, wobei arabische Bauern entschädigungslos verjagt und ihre Dörfer dem Erdboden gleichgemacht wurden, griffen die Araber zur Selbsthilfe. Ende März kam es zu den ersten Kämpfen...

Obwohl beide Staaten sich alsbald beschwerdeführend an die UNO gewandt hatten, faßte der Sicherheitsrat doch erst am 18. Mai eine Resolution, in der zwar des Vorgehen Israels verurteilt, aber die Ursache des Konfliktes nicht beseitigt wurde. Israel muß auf Grund dieses Beschlusses die Arbeiten in den entmilitarisierten Zonen solange einstellen, "bis durch den UNO-Vorsitzenden der syrisch-israelitischen Waffenstillstandskommission ein Abkommen zustande gekommen ist, nach welchem, das Projekt fortgeführt werden, kann". Niemand glaubt im Ernst daran, daß es jemals zu einem freiwilligen Abkommen dieser Art kommen wird.

Feststeht nur, daß Syrien die Zwischenzeit benutzt, um seine Stellung zu festigen. Der Rat der Arabischen Liga hat bereits in Damaskus beschlossen, den bisher nur von Saudi-Arabien ratifizierten kollektiven Sicherheitspakt "beschleunigt" von allen anderen Mitgliedsstaaten der Arabischen Liga ratifizieren zu lassen. Danach sollen die arabischen Generalstabschefs Pläne für eine gemeinsame Verteidigung ausarbeiten. Und schließlich wird in Damaskus ein Zentralbüro für den Handelsboykott aller arabischen Staaten gegen Israel eingerichtet werden; die in Alexandrien tagende Konferenz der arabischen Handelskammern hat bereits eine Resolution angenommen, in der die arabischen Regierungen aufgefordert werden, ein Gesetz gegen den Handel mit Israel zu erlassen, das bei schweren Verstößen die Todesstrafe vorsehen soll ...

Das aggressive Vorgehen Israels gegen Syrien birgt schwere Gefahren auch für die westliche Politik. Es hat zusätzlich zu den in Persien bestehenden Spannungen die Lage im Mittleren Osten soweit verschärft, daß auch eine Bedrohung der lebenswichtigen Ölinteressen in den arabischen Ländern entstehen kann. E. K.