Vom 5. August an sollen in Ost-Berlin Jugendliche aus achtzig Ländern „Weltjugendspiele“ veranstalten. Die gesamte kommunistische Welt von Wladiwostok bis zum Balkan sieht in diesen vierzehn Ost-Berliner Tagen den Gipfelpunkt ihrer diesjährigen Demonstrationen. Zwei Millionen Jugendliche sollen eingeladen werden, darunter auch ein paar tausend Sportler aus Ländern, die nicht sowjetisch regiert werden. Die Parole „Sport ist unpolitisch“ soll Fußballmannschaften, Baseballspieler, Turner, Schwimmer, Leichtathleten, Tennisspieler und andere mehr dazu verführen, nach Ost-Berlin zu kommen. Gewiß, die Sportverbände der Bundesrepublik haben dem Minister Kaiser gesagt, sie hielten es nicht für zweckmäßig, diese kommunistischen Weltjugendspiele offiziell zu beschicken. Aber dies ist alles, was man von den Sportverbänden gehört hat. Viele aktive Sportler hingegen, gerade auch in der Bundesrepublik, können offenbar den verlockenden Angeboten nicht widerstehen.

Warum eigentlich schaut die westliche Welt diesem riesigen Propagandamanöver der Sowjets so hilflos und achzelzuckend zu? West-Berlin besitzt das unvergleichliche Olympia-Stadion. Dort sollte sich eine Woche vor dem 5. August, also am letzten Juli-Sonntag, die deutsche mit der europäischen Sportelite zu einem Olympia der Freiheit versammeln. Was müßte ein solch ungewöhnliches Sportfest, ein Sportfest Deutschlands und Europas im Berliner Olympia-Stadion, für eine Wirkung haben, wenn es eine Woche vor dem Weltaufmarsch der Sowjets in Ost-Berlin vor sich ginge! Es sollte hier keine organisatorischen Bedenken und Hemmungen geben, kein Jonglieren mit schon feststehenden Terminen. Dieses europäische Sportfest müßte eine Aufgabe sein, die wirklich alle Stellen, die staatlichen und die privaten, die Behörden und die Verbände, zu einer gemeinsamen Anstrengung verbindet. K. W.