Reglement und Anarchie sind Geschwister, die nur sich selbst als Feinde vorkommen. Der gelenkte Kulturfunktionär des Sowjetsystems und der westliche Intellektuelle, der sich die Entscheidung zwischen Diktatur und Demokratie krampfhaft vorbehält, passen bestens zusammen. Man sah das in Starnberg und bis vor wenigen Tagen auch noch im PEN-Zentrum. Da hörte man Leute, die sich vor lauter Freiheitsdrang nicht zum Kampf für die Freiheit entschließen können. Aber so ein Extrem ist Freiheit gar nicht. Sie ist die Mitte zwischen den beiden Polen des Chaos: der totalen Ordnung und der totalen Unordnung.

Daher ist es auch nicht gut, der östlichen Propaganda mit einer Gegenpropaganda von gleicher Struktur zu antworten. Die Immunisierung der westlichen Menschheit ist ein schwierigeres Verfahren, als es die Gleichschaltung hinter dem eisernen Vorhang ist. Aber während diese doch immer nur äußere Fügsamkeit erreicht, kann jene sich an den innersten Kern des Menschen wenden: an sein Gewissen, seine Urteilskraft, seinen Willen zur Verantwortung.

Der Infiltration keine Bresche zu bieten, durch die sie in die Hirne und Herzen einsickern möchte, das ist der Sinn aller ideologischen Abwehrmaßnahmen des Westens. Aus dieser Erkenntnis ist das Institut zur Friedenswissenschaft und Völkerverständigung (eine Gemeinschaftsgründung von UNO, UNESCO, Europabewegung, Hoover-Institut, Harvard-Universität und Kreuzzug für Weltregierung) zu einer praktischen Folgerung gekommen. Es bietet in allen Ländern (in Deutschland durch sein Book Information Service, Wiesbaden, Nerotal 34) den Werksbibliotheken eine Buchkollektion von 80 Werken (zum Gesamtpreis von DM 776,50) an, gewissermaßen eine Essenz alles dessen, was zur Bildung unbefangener und solider Ansichten über die Zeitsituation nützlich und nötig ist. Die Namen Berggrav, Buber, Croce, Ortega, Russell und Santayana umschreiben den philosophischen, die Namen Auden, Koestler, Orwell und Silone den literarischen Horizont. Bei den deutschen Autoren fällt die Unvoreingenommenheit der Auswahl auf: neben Jaspers und V. v. Weizsäcker, Th. Heuss und Th. Litt, Edzard Schaper und Reinhold Schneider werden auch Ernst Jünger („Über die Linie“), Edwin Erich Dwinger („Wenn die Dämme brechen“), Heinrich von Einsiedels „Tagebuch der Versuchung“ und Frank Thiess’ „Vulkanische Zeit“ bereitgestellt.

Würde diese Kollektion ein Bestseller – das wäre eine gewonnene Defensivschlacht. C. E. L.