Prof. Dr. Erhard erhielt stürmischen Beifall, als er am vergangenen Donnerstag mit einer Rede über die Zusammenhänge zwischen Werbung und Volkswirtschaft in Hamburg den diesjährigen Reklame-Kongreß des Zentralausschusses der Werbewirtschaft (ZAW) eröffnete. Er bekannte sich vorbehaltlos zur Reklame, die er als Motor der Wirtschaft bezeichnete. Über ihren Wert sagte er, daß Art und Umfang der Werbung eines Landes ein genaues Spiegelbild der Struktur seiner Volkswirtschaft, des Grades ihrer Intensität und sogar seiner Zivilisation geben. Für – die politische Werbung wünschte sich Erhard die gleiche Sauberkeit, wie sie auf dem wirtschaftlichen Gebiet besteht. Er darf überzeugt sein, daß er damit nicht nur den 1400 Kongreßteilnehmern aus dem Herzen sprach, die sich aus Deutschland, aus Europa und auch aus Übersee zu diesem internationalen Parlament der Werbepsychologie versammelt hatten. Hamburgs Bürgermeister, Brauer, sprach nach Dir. Hans Dürrmeier, München, der als Präsident des ZAW den Reklamekongreß eröffnete, vor allem über die Weltoffenheit Hamburgs und über die Bedeutung der Sauberkeit in der Werbung.

Anschließend bot eine erlesene Reihe internationaler Werbungsexperten eine Fülle von interessanten Referaten, die von Max Sherova, New York, eingeleitet wurde. Die Ausführungen dieses Praktikers der Verkaufskunst waren für viele Hörer, die in den Staaten neue Absatzgebiete erschließen möchten, von erheblicher Bedeutung. Wie wichtig die Marktforschung gerade für Markenartikel ist, wußte er an vielen Beispielen zu erläutern. Nur eines sei hier erwähnt: in der Vorkriegszeit erreichte ein bewährter Verkäufer einer amerikanischen Rasierklingenfabrik in Japan verblüffende Verkaufserfolge und sollte die Erzeugnisse nun auch in Korea einführen. Schwungvoll ging er an die Arbeit, entfesselte eine (nach seiner Ansicht) wirkungsvolle Reklame und verkaufte – nichts! Bereits eine primitive Marktforschung hätte ihn darüber unterrichtet, daß bei den Koreanern der Bartwuchs recht gering ist und – falls vorhanden – als ein wertvolles Zeichen von Männlichkeit angesehen wird ...

Von gleicher Bedeutung war das Referat, das Prof. Dr. Arthur Lisowsky, St. Gallen, über die Situation der Werbepsychologie hielt. Pierre-Georges Bastide, Paris, sprach über die kulturelle Bedeutung der heutigen Werbung, der Stockholmer Ernst Günther über ihre Produktivität und u. a. W. H. van Baarle, Den Haag, sowie G. P. Vigart, London, über Fragen der Exportwerbung, während der deutsche Werbungsexperte Egon Juda die deutsche Situation sehr interessant beleuchtete. Eine Fülle von Fachtagungen der Zeitungsverleger, der Werbungsmittler, der Film- und Diapositiv-Werber, der Adreßbuchverleger und der Versicherungswerbung umrahmte neben der Ersten Deutschen Werbe-Fachausstellung, der lehrreichen Vorführung deutscher und ausländischer Werbefilme und einem reichhaltigen gesellschaftlichen Programm diese gelungene Veranstaltung, die ein neuer Beweis dafür war, daß moderne Reklame von der Psychologie nicht mehr zu trennen ist. Willy Wenzke