Die Herrschaft des Präsidenten der Republik Panama, Dr. Arnulfo Arias, die durch einen Staatsstreich des Chefs der National-Polizei, Oberst José Remon, Ende November 1949 begründet worden war, wäre nach der Verfassung erst nach Ablauf von vier Jahren beendet gewesen. Sie fand aber durch den gleichen José Rennen am 10. Mai ein vorzeitiges Ende! Der allmächtige Polizeichef hat damit seinen Ruf, die Präsidenten der jüngsten südamerikanischen Republik nach Belieben stürzen und einsetzen zu können, erneut bestätigt.

Remon verdankt seine Machtstellung der Tatsache, daß es in Panama keine Wehrmacht gibt und daß daher die ihm unterstellte, 25 000 Mann starke National-Polizei die einzige "bewaffnete Macht" im Lande ist. Von dieser Macht hat Remon bereits Gebrauch gemacht, als er 1941 den damaligen Präsidenten, eben jenen Dr. Arnulfo Arias, in einem unblutigen Staatsstreich unter wohlwollender Anteilnahme Washingtons stürzte, weil Dr. Arias in Washington als angeblicher Kollaborateur der Achsenmächte persona ingrata war.

Seit jener Zeit bestand zwischen Dr. Arias und Remon eine bittere Feindschaft. Bis es Remon für opportun hielt, im November 1949 den damals im Volk beliebten Dr. Arias durch einen Staatsstreich – den dritten innerhalb einer Woche! – erneut auf den Präsidentenstuhl zu setzen. Und das kam so: Der rechtmäßige Präsident Dr. Daniel Chanis hätte von seinem Polizeichef verlangt, eine vom Obersten Gerichtshof verfügte Auflösung von Monopolgesellschaften durchzuführen; ein Ansinnen, das Oberst Remon als Aktionär dieser Monopolgesellschaften als rüde empfinden, mußte. Er lehnte ab. Die dann folgende Aufforderung des Staatspräsidenten an den Polizeichef, seinen Posten niederzulegen, beantwortete Remon mit der Besetzung des Präsidentenpalais und dem Sturz von Dr. Chanis, den er durch den Vizepräsidenten Roberto Ghiari ersetzen ließ. Als der es aber vorzog, dem ehrenvollen Ruf des Polizeichefs nicht Folge zu leisten, sah Remon die beste Lösung darin, nunmehr seinen Exfeind Arnulfo Arias wieder einmal in den Sattel zu heben.

In Washington war man über diese Entwicklung der Dinge nicht gerade erfreut. Der Unterstaatssekretär im State Department, Edward G. Miller, gab der "tiefen Bestürzung" seiner Regierung Ausdruck und erklärte: "Es gibt keine diplomatischen Beziehungen mit einem Regime Arias!" Das hätte er nicht sagen sollen. Denn diese Beziehungen wurden sehr bald aufgenommen, wenn sich auch seit Ende 1950 die USA nicht mehr durch einen Botschafter, sondern nur durch einen Charge d’affaires in Panama vertreten ließen.

Die sich zuspitzende internationale Lage veranlaßte Präsident Truman Ende März dieses Jahres, besondere Bestimmungen zur Sicherung des Panamakanals gegen Sabotage und andere umstürzlerische Handlungen zu erlassen. Präsident Arias sah hierin einen willkommenen Anlaß, seinerseits vor der kommunistischen Gefahr, von der Panama und die Kanalzone bedroht seien, zu warnen, obwohl allgemein bekannt ist, daß die wenigen in der "Volkspartei" zusammengefaßten Kommunisten Panamas überhaupt keine Bedrohung darstellen können. Arias brauchte aber diesen Vorwand – er wollte die Verfassung des Jahres 1946 abschaffen, da sie die Kommunisten ermutige. Stattdessen sollte die von ihm 1941 geschaffene Verfassung wiedereingeführt werden. Dadurch wäre nämlich ihm als Präsidenten nicht nur mehr Macht übertragen worden, sondern auch seine Amtszeit hätte sechs statt vier Jahre gedauert. Doch hatte Arias die Rechnung ohne den Wirt, ohne den Polizeichef José Remon gemacht... Am 7. Mai nahm Airias durch ein Dekret den geplanten Verfassungswechsel vor, der aber am nächsten Tage vom Obersten Gerichtshof als "illegal" und als "ein Versuch zur Einführung einer Diktatur" bezeichnet wurde. In den nunmehr ausbrechenden Unruhen verhielt sich die National-Polizei unter Remons Führung zunächst abwartend, bis es sich herausstellte, daß die von Arias verbreitete angebliche Zustimmung Washingtons zu dem Verfassungswechsel nicht vorlag. Tatsache war vielmehr, daß Präsident Arias versucht hatte, ein Telefongespräch mit Präsident Truman zu führen; ein Versuch, der jedoch an der Ablehnung des Angerufenen scheiterte. Truman wollte Arias nicht decken. Als das heraus war, setzte Remon seine Polizei gegen Dr. Arias und die vom Präsidenten geschaffene "Geheime Polizei" ein. Wie immer hatte Remon bei seinem Staatsstreich Erfolg. Am 9. Mai erfolgte die Vereinigung des Vizepräsidenten Alcibiades Arosemena als Präsident der Republik. Am darauffolgende Tage eroberte die National-Polizei nach heftigen Kämpfen das Präsidentenpalais und verhaftete Dr. Arnulfo Arias, der nunmehr im Staatsgefängnis die Durchführung des gegen iha eingeleiteten Gerichtsverfahrens erwartet.

Zwar ist der neue Präsident als Mitglied der von Dr. Arias gegründeten "Echten Revolutionären Partei" gleichsam ein "Mitläufer". Nachdem ihm aber bestätigt worden war, daß er "immer ein Freund der USA gewesen sei und niemals die Anti-Washington-Politik der Partei, unterstützt habe", ernannte Präsident Truman am 14. Mai erstmalig wieder einen Botschafter der Vereinigten Staaten in Panama, John C. Wiley, und erkannte damit die neue Regierung Arosemena an.

Oberst Remon, der seinen Fehler vom November 1949 gutgemacht hat, darf sich wieder als persona grata in Washington betrachten. E. K.