Von Richard Tüngel

Wie wird der deutsche Handel zwischen West und Ost in Zukunft aussehen? Zum ersten Male seit Beginn des Korea-Konfliktes ist von der höchsten verantwortlichen Stelle – der UNO-Vollversammlung nämlich – ein Verbot ergangen, an Rotchina Waffen oder "kriegswichtiges Material" zu liefern. Warum erst jetzt? Warum hat man so lange gewartet? Und wie will man dieses Verbot durchführen? Man hatte Zeit genug gehabt, sich zu überlegen, welche Rohstoffe und welche Waren eigentlich kriegswichtig sind. Doch liegt dem Verbot der UNO keine Liste der verbotenen Güter bei. Und auch die Bundesrepublik, die schon vierundzwanzig Stunden Vor dem UNO-Beschluß erklärt hatte, sie werde in Zukunft den Handel mit Rotchina kontrollieren, mußte gleichzeitig mitteilen, daß sie die Ausführungsbestimmungen Zu dieser Verordnung erst nach einiger Zeit veröffentlichen könne.

Am 26. Juni des vorigen Jahres überschritten die Nordkoreaner zum erstenmal den 38. Breitengrad. Spätestens Mitte November war es klar, daß Rotchina aktiv zur Unterstützung der Nordkoreaner eingegriffen hatte. Die Amerikaner verboten schließlich vor wenigen Monaten gemeinsam mit Kanada und den-, Philippinen, daß von ihren Ländern aus kriegswichtige Waren nach Rotchina ausgeführt würden. Sie verlangten zugleich, daß alle westlichen Staaten ein gleiches Verbot erließen. Es hat dann leider recht lange gedauert und sehr scharfen amerikanischen Druckes bedurft, bis endlich, wenigstens in der Theorie, einige europäische Länder, dem Beispiel der Vereinigten Staaten folgten. Aber werden diese Verbote in der Praxis Erfolg haben?

Bei westdeutschen Banken und vermutlich überhaupt bei den meisten Banken Westeuropas liegen in Stößen Formulare rotchinesischer Bankhäuser, in denen die Bedingungen festgelegt sind, unter denen die westlichen Banken ein Akkreditiv für Firmen eröffnen können, die Waren nach Rotchina verschiffen. "Konnossemente", heißt es da, "für Waren, die von Europa nach Hongkong im Transit verschifft werden, müssen folgenden Vermerk haben: Dampfer, die Häfen der Vereinigten Staaten, Kanadas, der Philippinen oder Japans anlaufen, oder die durch den Panamakanal fahren, ebenso wie Dampfer, die die Flagge einer der ebengenannten Nationen führen, sind ausgeschlossen. Doch sind hiervon ausgenommen solche Dampfer, die nicht die Flagge der obengenannten Staaten führen und die, bevor sie die angeführten Staaten berühren, Hongkong oder das chinesische Festland anlaufen." Offenbar ist also die Versuchung, verbotene Geschäfte zu machen, sehr groß.

Schmuggel und Piraterie

"Krieg, Handel und Piraterie, dreieinig sind sie nicht zu trennen!" Als Goethe diesen Spruch niederschrieb, war die Welt in Nationalstaaten aufgeteilt. Es fehlte auch nicht an Piraten. Die Berberesken in Nordafrika führten dieses Handwerk immer noch weiter, und immer noch wurden im Abendland Geldspenden für den Loskauf armer christlicher Sklaven aus der Gefangenschaft in heidnischen Ländern gesammelt. Aber hat sich die Welt seitdem nicht gründlich geändert? Sind auch zu dieser Stunde noch Piraterie und die Freiheit des Handels unmittelbar und eng mit dem Begriff des Krieges verbunden?

Die Welt, ist heute in zwei Lager geteilt, von denen das eine die Freiheit, das andere den Zwang zum Prinzip des Staates erhoben hat. Zwischen diesen Lagern gibt es keine Verständigung, zwischen beiden Lagern tobt ein kalter Krieg, der an einigen Stellen – wie in Korea – längst den Aspekt eines heißen Krieges angenommen hat. Aber es sind nicht einzelne Nationen, die dort gegen die Sowjets kämpfen. Gegen den Ostblock steht vielmehr die UNO, die Organisation der Vereinten Nationen der Welt! Es ist ein Bruderkrieg unter den in diesem Gremium vertretenen Staaten ausgebrochen, ein Krieg also, bei dem niemand neutral bleiben kann, bei dem man sich auf die eine oder die andere Seite schlagen muß, wenn man nicht wehrlos das Opfer der Entscheidung werden soll, um die in Korea gekämpft wird. Der Splitter im Auge des Nächsten