Die "Organisation for European Economic Cooperation" (OEEC) hatte vor einiger Zeit den westeuropäischen Ländern die Auflage gemacht, Untersuchungen über eine Verbesserung der Elektrizitätsversorgung dieser Gebiete anzustellen. Der Fehlbedarf wurde von der OEEC künftig auf etwa sechs Mill. Kilowatt Kraftwerksleistung berechnet. Westdeutschland hat nun seinerseits einen Plan ausgearbeitet, der bereits in einigen Jahren die Kapazität der Stromerzeugungsanlagen um drei bis fünf Mill. Kilowatt erhöhen könnte. In Zusammenarbeit aller an den Fragen der Elektrizitätswirtschaft interessierten Stellen haben H. Roser (RWE) und H. Schult (Steag), beide Essen, unter Abstimmung mit der Deutschen Kohlenbergbau-Leitung den Beitrag Deutschlands zur Sicherstellung der westeuropäischen Stromversorgung berechnet. Durch Einsatz nicht marktfähiger Kohlensorten zur Stromerzeugung könnten danach auf Braunkohlenbasis etwa ein bis zwei Mill. Kilowatt und auf Ballast-Steinkohlenbasis zwei bis drei Mill. Kilowatt neue Kraftwerksleistung erstellt werden. Westdeutschlands Kraftwerksleistung ist seit 1946 um etwa 15 v. H. Jahreszunahme gestiegen, hat zusammen mit den auf Wasserkraft beruhenden Anlagen eine Kapazität von rund elf Mill. Kilowatt und eine Jahresstromerzeugung von über 43 Mrd. Kilowattstunden erreicht und verfügt zur Zeit über begonnene Neubauten mit zusammen 1,5 Mill. Kilowatt Kraftwerksleistung.

Nach Berechnungen auf Grund einer vierzigjährigen Statistik der wichtigsten Länder der Welt steigt der Stromverbrauch jährlich um etwa 7 v. H. Die Steigerung wurde von einem Sachverständigenausschuß bis 1954 für Westdeutschland auf 8 bis 9 v. H. und dann bis 1960 auf rund 6 v. H. geschätzt. Danach müßte Deutschland allein an zusätzlichen Anlagen eine Leistung von zehn Mill. Kilowatt neu erstellen,

Westeuropas Industrieländer haben für sich eine noch höhere Jahreszunahme berechnet. Sie sind vielfach bereits an die Verwirklichung herangegangen. Es berechneten etwa für die nächsten zehn Jahre England eine Jahreszunahme von 13 v. H., Frankreich 12 v. H., Italien 14 v. H., Österreich 17 v. H., Schweden 12 v. H. und Finnland 22 v. H. – Zwischen Westdeutschland und diesen Industrieländern besteht nun ein starkes Mißverhältnis im Ausbau der Stromwirtstarkes Von der im Bundesgebiet erforderlichen Neubauleistung konnten aus Finanzierungsgründen bisher etwa nur ein Achtel in Angriff genommen werden. Bleibt diese Rate so niedrig bestehen, dann wird Deutschland als Glied der westeuropäischen Zusammenarbeit immer mehr in Rückstand geraten. Dabei sind die Brennstoff- und Rohstoffvoraussetzungen im Braunkohlen- und Steinkohlenrevier des Dreiecks Aachen-Hamm–Köln besonders günstig, auch um einen gewissen Bedarf der Nachbarstaaten an Strom mit decken zu können. Die sich für eine gemeinsame Europawirtschaft einsetzenden internationalen Stellen sollten rechtzeitig die im Revier liegende Chance nutzen und einen gemeinsamen internationalen Finanzierungsplan für den Ausbau der mitteleuropäischen Stromzentralen aufstellen und durchführen. R.