Bei der fortschreitenden Mechanisierung in der deutschen Landwirtschaft kann kein Gebiet auf breiteres Interesse beim Landwirt zählen als der Traktorenbau und alles, was zum Traktorenbau gehört. Hierbei spielt der Traktorreifen eine besondere Rolle, weil die Kraftübertragung auf den Boden eines der wichtigsten Probleme dabei ist. Die Harburger „Phoenix“ hat auf diesem Gebiet eine Neuerung herausgebracht, die einen wichtigen Entwicklungsfortschritt darstellt.

Vor dem Kriege bereifte man Ackerschlepper mit Reifen, deren flaches Profil sich nur wenig von dem der Lastwagenreifen unterschied. In schwerem, nassen Boden zwang das zum Auflegen von Greiferketten. Nach dem Kriege setzten sich auch in Deutschland Hochstollenprofile durch, bei denen Greifenketten entbehrlich sind. Bald machte man jedoch die Erfahrung, daß die schmalen Hochstollen sich schneller abnutzten, als man es bei den alten Flachprofilreifen gewohnt war. Man erkannte, daß die Betriebsverhältnisse in der deutschen Landwirtschaft andere Profile erfordern als die der großen Farmen in USA, für die die Hochstollenreifen zuerst entwickelt wurden. 60 bis 65 v. H. der Streckenleistung entfallen bei der Struktur der landwirtschaftlichen Betriebe in Deutschland auf Straßenfahrt. Diese Erkenntnis war Leitgedanke bei der Konstruktionsarbeit der Harourger „Phoenix“, deren neues „Knochen“-Profil durch wuchtige Verbreiterung der Stollen eine bedeutend vergrößerte Auflage auf der Straße schafft. Ausformung der Stollen zu wirkungsvollen Treibschaufeln mit konisch abgeschrägten Flanken gestattete größere Stollenhöhe ohne Gefahr des Umknickens an den Seiten und steigerte so Griffigkeit und Kraftübertragung am Ackerboden.

Zugleich wurde auch die bei Ackerschlepperreifen so wichtige selbstreinigende Wirkung verbessert. Hier wendete die „Phoenix“ das sogen. „Open centre“-Prinzip an. Dieses beruht auf der Überlegung, daß die Abplattung des Reifens beim Rollen über den Boden zugleich eine Verkleinerung des Reifenumfanges bedeutet, was zur Folge hat, daß der Abstand zweier benachbarter Stollen sich verringert. Die benachbarten Stollen bilden gleichsam ein Maul, das sich beim Durchwandern durch den Boden schließt und das sich – vieder frei vom Boden – öffnet, um etwa mitgenommenes Erdreich auszustoßen. Das theoretisch erdachte Prinzip hat seine Wirksamkeit in der Praxis erfolgreich bewiesen. Mit dem „Knochen“-Profil in „Open centre“-Ausführung steht dem deutschen Landwirt ein Traktorreifen zur Verfügung, der den Anforderungen der Ackerarbeit und der Straßenfahrt zweifelsohne gerecht wird. E. E.