Berlin, Ende Mai

Das Werk, das zum fünfzigsten Geburtstag des Komponisten Werner Egk an der Städtischen Oper in Berlin in Szene ging, hat viele Verwandlungen durchgemacht. Ursprünglich war dieser "Columbus" (vor beinahe zwanzig Jahren) ein Funkoratorium; etwa zehn Jahre später baute ihn Egk zu einer oratorischen Oper aus, die auf mehreren deutschen Bühnen zu sehen war. Die jetzige Berliner Fassung ist ein abermals gründlich verändertes Stück aus den Elementen von Ballett, Pantomime, Oratorium und Oper.

Egk hat in den letzten Jahren immer stärker nach Erneuerung des großen Balletts gestrebt. Bei seinem neuen "Columbus" fand er nun eine Verbindung von Tanz, Gesang und Text, die sich stark an Claudel-Milhauds Vorbild anlehnt. Egk hat, von diesem Vorbild konsequent weitergehend, sämtliche tragenden Rollen zweifach besetzt: durch Sänger, die in feierlich neutralem Habit vor der Bühne in einer Art Chorgestühl stehend singen, was auf der Szene die Tänzer stumm agieren. Dazu fügt er zwei ebenso im Halbdunkel bleibende Sprecher ein, die in Rede und Widerrede zwischen den elf Bildern die Stationen des Lebens von Columbus markieren. Ein riesiger Doppelchor, der, auch kaum sichtbar, hinter einem Gazevorhang links und rechts der bewegten Szene steil aufsteigend sitzt, füllt mit Chören, die vom Choral bis zum Song reichen, gewaltig die Szene.

Bisweilen muß das Tänzerische als aufgepfropft wirken: in der prunkvollen Jubelmesse, auf der verzweiflungsvollen Überfahrt zum Beispiel. Dafür aber hatten die Choreographin Jannine Charat, der Regisseur Georg Reinhart und der Bühnenbildner Josef Fenneker mit dem Konzil und der Landung Bilder von hinreißender und sinnfälliger Bewegtheit erreicht. K. W.