Arbeiten deutscher Gold – und Silberschmiede

Von Helene Rahms

Das ist nun schon fast zehn Jahre her. EineGoldschmiedin öffnete mir die Vitrine mit den Schmuckstücken, die sie nicht auf Bestellung, sondern zu eigener Lust gemacht hatte. Ein Stück ist mir über all die Zeit in Erinnerung geblieben. Auf einem maisfarbenen rauhen Leinendeckchen lag ein Halsschmuck aus rötlichem stark kupferhaltigem Eisen, als Weinranke geformt, mit leicht gewölbten Blättern, zwischen denen kleine, aus Brillanten zusammengesetzte Trauben hingen. Nie wieder sah ich Brillanten so sprühen wie diese vor dem stumpfen, warmen Ton des Eisens.

Sie würde das wohl nicht verkaufen, sagte die Goldschmiedin. Jedenfalls nicht an diese oder jene vermögende Dame. Eher würde sie es schenken – einer Frau, die so besonders sei und die sich so zu kleiden verstünde, wie es ihr Schmuck verlangte.

Person und Werk ließen noch etwas vom Anspruch jener ästhetischen Reformbewegung spüren, die in ihren Anfängen programmatisch als "Jugendstil" aufgetreten war und sich quer gegen die formauflösenden Tendenzen der industriellen Konfektion stellte. "Zweckgebunden" und "materialgerecht" – das wurden die fordernden Schlagworte des Kunsthandwerks. Für den Schmuck galt, daß nicht zufällige Muster auf kostbares Material übertragen werden sollten. Vielmehr die Art des Metalls, des Steins, die Struktur des Materials müsse für die Form bestimmend sein.

Diese Thesen wurden bei den Könnern ihres Gebietes fruchtbar. Sie führten damit die beste Tradition des Goldschmiedehandwerks weiter, unbekümmert um die Marktlage, die heute offensichtlich für materiell kostbaren Juwelenschmuck mit seinen oft schablonisierten, austauschbaren Formen günstiger ist.

Neue Blüte der Granulation