DerInterzonenhandel ist mit einer schweren politischen Hypothek belastet. Es wäre töricht dies leugnen oder ignorieren zu wollen. Dennoch gibt es auch hier unterhalb der politischen Sphäre eine solche der wirtschaftlichen Beziehungen, die auf strikte Gegenseitigkeit der ökonomischen Interessen fest gegründet ist. Jeder Versuch allerdings, den Warenaustausch zwischen West- und Ostdeutschland mit politischen Argumenten zu forderen oder ihn gar als Vorspann für eine politische Propaganda zu benutzen, hemmt das Interzonengeschäft. Leider bleibt dies Prinzip der klugen Selbstbeschränkung auf geschäftliche Zwecke bei den ostzonalen Stellen unbeachtet. Sie versuchen immer wieder, über von Ostberlin gesteuerte "neutrale" Handelsorganisationen eine Intensivierung des Interzonenhandels zu erreichen, wobei der Tarnmantel, mit dem diese Gründungen umgeben werden, meist so kurz ist, daß das kommunistische Rot darunter hervorragt.

So steht es auch mit der jetzt in Stuttgart ins Leben gerufenen "GemeinschaftWest-Ost-Handel", die den westdeutschen Zweig eines "Gesamtdeutschen Arbeitskreises für Handel und Industrie" bildet, der anläßlich der Leipziger Frühjahrsmesse gegründet wurde. Der Vorsitzende dieses Arbeitskreises und der Stuttgarter Organisation ist der Viehtränken-Fabrikant Artur Just, der nach 1945 als Mitglied der KPD hervorgetreten ist und sich später von der aktiven Parteitätigkeit zurückgezogen hat, um als "neutraler" Kaufmann dem Interzonenhandel dienen zu können. Er ist übrigens nicht identisch mit dem gleichnamigen Journalisten, dem Mitherausgeber der Zeitschrift "Außenpolitik".

Bei der Gründung der "Gemeinschaft West-Ost-Handel", die mit der in Nürnberg erscheinenden Zeitschrift "West-Ost-Handel" in keinerlei Zusammenhang steht, hat natürlich auch die Hamburger Gesellschaft für den Osthandel (GEFO) kräftig mitgewirkt. Unter ihrem Schutz fand am 13. Januar 1951 in Hamburg eine Besprechung sign, auf der der Abteilungsleiter fürWirtschaft im sogenannten "Nationalrat" der Ostzone, Georg lieber, die GEFO anwies, bei dem Aufbau der Stuttgarter Organisation behilflich zu sein, was auch bereitwilligst zugesagt wurde Inzwischenhat Herr Just eine beachtliche Aktivität entwickelt. In Einvernehmen mit den Bebietet er sich an, "im Einvernehmen mit den Behörden der Deutschen Demokratischen Republik über das Frankfurter Interzonenhandelsabkomnie" hinaus Absatzgebiete zu schaffen". Dabei will er den interessierten Firmen "die Richtlinien, Bezugs- und Lieferwünsche der DDR" vermitteln. Das sieht bereits sehr stark nach einer Aufforderung zu illegalen Geschäften aus, wofür sich Bonn interessieren dürfte. We.