Im März 1946 räumte die Rote Armee Persien.Der Preis dafür sollten Ölkonzessionen an die Sowjetunion sein. Der damalige persische Ministerpräsident Ghavam Sultaneh versprach den Russen die Gründung einer russisch-persischen Ölgesellschaft; es wurde ein Vertrag unterzeichnet, und die Sowjets glaubten daraus nicht nur wirtschaftlichen, sondern auch politischen Nutzen ziehen zu können. Nach wiederholten Mahnungen aus dem Norden und langem Zögern wurde endlich die sowjetisch-persische Abmachung, dem Parlament in Teheran zur Ratifizierung vorgelegt. Dieses aber berief sich auf einen alten Beschluß der Kammer, die jede Verhandlung über neue Erdölkonzessionen an das Ausland für ungesetzlich erklärt – das Abkommen wurde also nicht ratifiziert. Den Russen wurde mitgeteilt, daß sich der Ministerpräsident geirrt habe und nicht berechtigt sei, einen solchen Vertrag abzuschließen. Inzwischen hatte sich Ghavam Sultaneh von dem kommunistischen Einfluß in Kabinett und Verwaltung, den er zur Beschwichtigung der Sowjets lange Zeit nicht nur geduldet, sondern gefordert hatte, ohne große Mühe befreit. Auch Aserbeidschan wurde gesäubert. Seitdem gehen aus verschiedenen Anlässen ununterbrochen Protestnoten von Moskau nach Teheran. Der Kreml fühlt sich betrogen.

Aber nicht nur die Nichterfüllung des sowjetisch-persischen Abkommens haben die Russen zu Protesten veranlaßt. Im Oktober vorigen Jahres schlossen die Iraner mit den Vereinigten Staaten einen Vertrag zur Regelung der Kompetenzen der amerikanischen Militärmission, die seit 1943 die Reorganisation der persischen Armee betreibt und leitet. Der Vertrag gibt den amerikanischen-Beratern recht weitgehende Kompetenzen, verbietet vor allem die Zuziehung anderer Ausländer als Berater für die iranische Armee ohne die ausdrückliche Genehmigung der Vereinigten Staaten. Auch alle Waffen erhält Persien zu stark reduzierten Preisen aus Amerika. Zwar hat der neue persische Ministerpräsident Hakimi ganz schlicht erklärt, Persien kaufe Waffen von den Vereinigten Staaten, nur weil es sie von dort am billigsten bekomme und es sei verständlich, daß keiner besser mit den amerikanischen Waffen zu hantieren verstände als die Amerikaner selber. Nur deswegen hätte man sich in Teheran entschlossen, amerikanischen Beratern auch die Umorganisierung der Armee zu überlassen.

Daß diese Erklärung von Moskau nicht akzeptiert wurde, ist kaum verwunderlich. Es ist aber interessant, daß der Kreml in seiner letzten Protestnote nicht weit davon entfernt ist, die Vereinigten Staaten offiziell als eine feindliche Macht zu bezeichnen. Die persische Regierung wurde nämlich in dieser Note beschuldigt, eine Politik zu verfolgen, die nicht nur die normalen Beziehungen, sondern auch den sowjetisch-persischen Freundschaftspakt von 1921, verletze. Damit hat Moskau an einen Vertrag erinnert, welcher der Sowjetunion das Recht gibt, in Perlen einzumarschieren, falls „einedritte Macht den Versuch unternimmt, das iranische Territorium als militärische Basis gegen Rußland vorzubereiten.“ Die Sowjetunion erklärt also, daß sie sich bedroht fühle und das Recht habe Persien zu besetzen – wenn sie das für notwendig halte.

Ob der Kreml eine solche Maßnahme ergreifen würde, ist sehr fraglich, denn er würde damit ohne Zweifel einen dritten Weltkrieg hervorrufen. Moskau kann von dem Nervenkrieg, den es gegenwärtig, gegen Teheran führt, vielleicht nur hoffen, die Iraner schwankend zu machen, um auf diese Weise doch noch die versprochenen Ölkonzessionen zu erlangen. Dies allerdings, ist kaum in einer Zeit zu erwarten, in der Persien, genau so wie Griechenland und die Türkei, die Rolle einer vorgeschobenen Bastion der Westmächte spielt. Immerhin, Druckmittel, wie die in Teheran aufgedeckten. Vorbereitungen für kommunistische Aufstände im Mai, hat der Kreml genug; sie bewirken freilich manchmal das Gegenteil von dem, was sie bewirken sollen.

A. P. Bobew