Als im November 1945 die Empfehlungen desAmerikaners Joseph R. Dodge bekannt wurden, gerichtet auf „Dezentralisierung“ der deutschen Banken, haben wohl die meisten ungläubig den Kopf geschüttelt. Sie mögen heute dieses Programm nachträglich noch einmal durchlesen, und werden feststellen, daß die darin gemachten Vorschläge zur Demontage des deutschen Kreditapparates durchgeführt oder wenigstens in Angriff genommen worden sind. Mit einer Ausnahme: Der Dodge-Banken-Plan wollte in der-Aufsplitterung der Banken nicht bei den Ländern haltmachen, sondern das deutsche Kreditsystem sollte auf den Stand von Kreis- und sogar von Stadtbanken zurückgeführt werden. Davon ist allerdings jetzt keine Rede mehr.

Die britische Militärregierung ist jetzt durch Erlaß des Gesetzes Nr. 133 dem Beispiel der US-Zone gefolgt. Dort – wie auch in der französischen Zone –wurden schon Anfang 1947 Landeszentralbanken errichtet, die nach Ländern gegliedert an die Stelle der früheren Reichsbank traten. Durch das amerikanische Gesetz Nr.57 wurde diese Dezentralisation auch auf die Niederlassungen der drei Großbanken in der US-Zone ausgedehnt. Auch diese wurden nach Ländergruppen verselbständigt, dem Einfluß ihrer bisheri- gen Hamburger Zentralen entzogen und für jedes Land und jede Bank mit einem Treuhänder und einem neuen Namen versehen. Rechtlich blieben sie aber sämtlich weiter Filialen der bisherigen Mutterbanken. •.

Diese widerspruchsvolle Konstruktion reizte nicht zur Nachahmung, so daß in der britischen Besatzungszone sowohl die Reichsbank als auch die drei Großbanken unverändert mit einheitlichen kompakten Filialkörpern weiter gearbeitet haben. Dem wird, nun auch hier ein Ende gemacht. Die Reichsbankleitstelle Hamburg, die bisherige Spitze der Reichsbankanstalten in der britischen Zone, wurde am 1. April 1948 aufgelöst und die geschäftliche Organisation der Reichsbank von neuen Landeszentralbanken in Düsseldorf, Hamburg, Hannover und Kiel übernommen. Auch mit den drei Großbanken wird nunmehr ähnlich wie in der US-Zone verfahren: Verselbständigung der Filialgruppen jeweils für den Bereich eines der vier Länder, Einsetzung von Treuhändern und neuen Namen.

In einem Punkte schließt man sich aber dem Vorgehen der US-Zone nicht an, wo man den Banken sogar die Fortführung gegenseitiger Kontokorrentbeziehungen verboten hatte, was auch bis heute nur teilweise rückgängig gemacht ist. In § 4, des britischen Gesetzes Nr. 133 wird vielmehr ausführlich gesagt, daß die Banken Geschäfte auch außerhalb ihres Landes machen und mit dortigen Banken korrespondieren dürfen. Eine gewisse Verschärfung gegenüber den amerikanischen Vorschriften ist darin zu erblicken, daß auch die wenigen Regionalbanken, besonders im norddeutschen Raum, von dem Gesetz erfaßt werden, wenn man ihnen auch Treuhänder und neue Namen erspart.

Bei den drei Großbanken entstehen so in den drei Westzonen 30 neue Bankennamen an Stelle der bisherigen drei. Diese dürfen weder aufeinander noch auf die früheren Firmenbezeichnungen Bezug nehmen. Der Verkehr wird sich notgedrungen an diese Umständlichkeit gewöhnen. Nicht ohne Betonung wird man dagegen an der Tatsache vorübergehen können, daß die alten Bankennamen mit ihrer fast hundertjährigen Tradition völlig verschwinden. Auch wer den Banken nicht wohlwollend gegenübersteht, wird den Verlust an good will nicht leugnen können, der durch den Wegfall der Namen Deutsche Bank, Dresdner Bank und Commerzbank hervorgerufen wird. Es fehlen von nun an die großen Gegenspieler, deren sich die internationale Bankwelt bei Kreditoperationen größeren Stiles mit Deutschland bediente.

Die Kundschaft der Banken wird von diesen Änderungen, abgesehen von der Umbenennung, kaum etwas merken, zumal auch die in den Bankleitungen schon bisher tätigen Personen dieselben bleiben. Überdies hat die amerikanische Militärregierung im vorigen Jahre schon ausdrücklich erklärt, daß das den Banken anvertraute Vermögen der Kundschaft von diesen Maßnahmen in jedweder Form unberührt bleibt und daß sich im Geschäftsverkehr mit der Kundschaft daher keine Änderung ergibt. Diese Sätze werden auch für die britische Zone anzuwenden sein, Die Störungen im Geldausgleich zwischen den einzelnen Ländern, die sich aus der Aufspaltung der Banken in Ländergruppen ergeben, werden, im jetzigen Stadium kaum zu ernsthaften Schwierigkeiten führen. Das wird aber nur solange gelten, als die allgemeine wirtschaftliche Tätigkeit auf dem jetzigen Tiefstand bleibt, die Kreditansprüche von Handel und Industrie gering sind, die vielfach herrschende Neigung zur Barzahlung viele Geschäfte an den Banken vorübergehen läßt und überdies das Ineinanderlaufen von legalen und weniger erlaubten Geschäften dem Kaufmann nötigenfalls Ausweichmöglichkeiten bietet. H. R.